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Russland als geografischer Sonderfall

Viele Fach- und Führungskräfte erwarten, dass das Potenzial für Missverständnisse auf dem russischen Markt deutlich geringer ist, als in „exotischen“ Regionen wie China oder Indien. Insbesondere wenn die Topmanager bereits über interkulturelle Erfahrungen in anderen Ländern verfügen, halten Unternehmen die interkulturelle Kompetenz für Russland erstaunlicherweise für ausreichend – daran sind bereits viele aussichtsreiche Projekte gescheitert. Auf die Frage, woran man sich bei Geschäften in Russland orientieren soll, an Europa oder eher an Asien, kann man keine eindeutige Antwort geben. Die Lage zwischen Ost und West ist in der Tat einer der wichtigsten Faktoren, die Russlands Entwicklung so einzigartig geprägt haben. Der russische Historiker W.О. Ključewskij (1841-1911) schrieb: „Historisch gesehen, ist Russland natürlich nicht Asien, geographisch ist es allerdings auch nicht ganz Europa. Es ist Übergangsland, Vermittler zwischen zwei Welten.“ Russland nennt man einen „multikulturellen Schmelztiegel des Ostens“ – russische Kultur ist aber keine mechanische Summe von europäischen und asiatischen Einflüssen. Sie wird aus diesem Grund oft als „synthetische Kultur“ (E.W. Popow) bezeichnet – das gilt auch für die Unternehmenskultur. Was bedeutet diese „Sonderstellung“ der russischen Kultur für die deutsch-russische Geschäftspraxis?

Besonderheiten der russischen Geschäftskultur

Deutsche Geschäftsleute sehen zwar oft bei ihren Geschäftskontakten mit den russischen Partnern viele Parallelen zum asiatischen Kulturkreis, wie etwa Angst vor Gesichtsverlust, Umgang mit Konflikten oder Kritikverhalten – bei den anderen kulturellen Besonderheiten, wie z.B. Kommunikationsstil oder Verhandlungskultur, ist Russland nicht so leicht einzuordnen. Eine große Rolle spielen auch individuelle, regionale, Alters- und Bildungsunterschiede der jeweiligen Geschäftspartner.